aktualisiert:   28. April 2016, 21:20 Uhr
 

Deutsche Schulschach-Meisterschaft 2016
24.-27.4. Grundschul-Mannschaftsturnier in Friedrichsroda
 
Grundschule Neumarkt Halle (Saale)
mit
Johann Pietsch, Eugen Kuppe, Anton Kageler, Josef Mielewsky, Matti Kemper, Janosch Berger
und Mannschaftsleiter Rüdiger Schneidewind wieder

SIEBENBESTE DEUTSCHLANDS
im Grundschulschach!

Turnierseite mit Ergebnissen, Impressionen und ... >
 
Mannschaftsleiter Rüdiger Schneidewind berichtet:

26. April - der Abschlusstag:   An diesem letzten Tag gibt es jetzt erstmalig ja nur eine Runde. Ein Blick auf die Tabelle und die Ansetzungen zeigt, dass vieles möglich ist.

Gegner in dieser 11. Runde war die Schule Lauerholz, Lübeck. Eine Schule mit Kindern ohne DWZ, aber an der Spitze der Mannschaften ohne DWZ. Das macht solche Paarungen so gefährlich. Und so galten meine Warnungen allen Vieren vor dem wieder arg verspäteten Beginn. Die Begrüßung mit Michael Weiß war herzlich, Grüße aus Halle, von Joachim Donath, wurde überbracht, dann ging es zur Sache. Über eine halbe Stunde Zittern war dann angesagt, keiner hatte Vorteile, Johann sogar leichte Nachteile. Dann verlor Matti am 4. Brett seinen Läufer, bekam aber zwei weiße Türme auf die 7. Reihe (auf d und e), zunächst um Schach zu sagen. Doch der schwarzfeldige gegnerische Läufer griff den Turm e7 an und nun war guter Rat teuer. Matti zog schnell Td8 sagte „Matt“ und sein Gegner akzeptierte sofort und hielt die Uhr an! Erst Sekunden später merkten die ungläubigen Lübecker Betreuer, dass da etwas nicht stimmt und wollten jetzt sogar den Schiedsrichter holen, während ihr Spieler begriff, dass man den Turm auf d7 einfach schlagen und damit die Partie gewinnen konnte. Da habe ich mich dann eingeschaltet und darauf hingewiesen, dass die Hand gegeben worden ist. So wollten wir aber eigentlich nicht gewinnen, trotzdem stand es 1:0. Auch Anton hatte schwer zu kämpfen und ich behaupte einfach mal, dass es „tot“ Remis war. Doch dann gab sein Gegner einfach den Bauern auf f2 und dann „verwaltete“ Anton den Mehrbauer klug zur Dame und zum Punkt. Nach 30 Minuten stand des 2:0. Eugen musste sich inzwischen ständigen Angriffen auf seine Figuren erwehren. Er tat das fast schon routiniert und schlug dann zurück, hatte irgendwann mehr Material und spielte auf Grundreihenmatt. Das „Luftloch“ blockierte ein Läufer von Eugen und so stand es, nach 32 Minuten 3:0. Doch nach dem Wunschresultat sah es nicht aus. Johann spielte im Endspiel, eigentlich auf verlorenem Posten gegen zunächst drei Bauern und einem weißen Turm. Zwei Dinge sprachen aber für Johann: die Zeit und ein frecher und beweglicher schwarzer Turm, der es Weiß sehr schwer machte. Zunächst gewann Johann einen Bauern, doch die anderen rückten immer weiter vor. Dann stand der schwarze König drei Züge lang „auf Patt“. Johann hätte den Turm einfach geben können zum Remis. Doch Johann wollte kein Remis! Er wollte gewinnen und zog seine Taktik gnadenlos und vor allem, mit Blick auf die Uhr, nervenstark durch. Weißer Bauer auf g7, weißer Turm auf g8, trotzdem droht Johann sogar mal Matt. „Noch 6 Sekunden...“, meinte Eugen lässig und dann kamen die erlösenden Worte von Johann: „Zeit abgelaufen!“ 4:0. Zeitgleich gewannen die Magdeburger mit dem gleichen Ergebnis und sind dieses Mal einen Rang vor uns, egal. Für uns gilt: Ende gut, alles gut.  

Nicht ganz.

Der Blick zum OPEN mit dem Sieg von Janosch und der (zu schnellen) Niederlage von Karl-Josef, nach Figureneinsteller, schade.

Und auch die etwas merkwürdige und abgebrochene Sieger-ehrung, nach ange- kündigter „großer Überraschung“ (wo war die eigentlich?) gehört zu jenen Punkten, die nach den üblichen Lobesworten, Kritik würdig waren. Eine Stunde lang wurden in den zahlreichen Kate- gorien immer die ersten Sechs mit reichlich Pokalen geehrt, übrigens auch die Magdeburger als 6. der Hauptturniers. Alles ab Platz 7 durfte sich dann die Pokale und Urkunden (nur für die Kinder – also keinen für Herrn Donath) nach langer Drängelei und Anstehen im Seminarraum 4 abholen. Komische Würdigung der Leistung der Kinder. Es gab auch (vielleicht aus Zeitmangel) auch keine Ehrung der Brettbesten.

Ja, der Zeitplan und die veränderte Ausschreibung, auch ein Punkt, der zur Bilanz gehört. Ich habe mit vielen gesprochen. Keiner, aber auch wirklich niemand, hat die Erhöhung der Rundenzahl und der Teilnehmerzahl sowie die Verkürzung der Bedenkzeit begrüßt. Es war Stress für die Kinder, fast eine Tortur und gegen das Schach. Keine Runde begann pünktlich. Und so teile ich nur das Riesenlob an die Kinder, die das durchgehalten haben. Und noch ein letztes: der Preis für die Zimmer im Hotel ist auch gestiegen.

All diese Punkte werfen einen Schatten auf diese Meisterschaft neben dem für uns sehr guten Ende. Ich bin stolz auf diese 6 Jungs und natürlich zufrieden. Wieder TopTen, siebentbeste Schule Deutschlands – Ergebnis der tollen Nachwuchsarbeit in Schule und Verein.

Und ein letztes: ich danke allen, die mitgefiebert und die Daumen gedrückt haben. Wir wussten gar nicht, wieviele Fans diese Schulmannschaft hat.

* * *

26. April (der 2. Tag):    Einige Sachen am Rande des dramatisch erfolgreichen Geschehens habe ich noch vergessen zu erwähnen. Was ich gestern an ständigen Glückwünschen für unsere Kinder erhalten habe, zeigt auch, wie die GS Neumarkt hier gestern „inn“ war. Ich habe natürlich immer abgewiegelt, denn man weiß ja: Am Ende wird abgerechnet. Dann sind hier gestern zwei Schuhe ganz allein in ein anderes Zimmer gelaufen und waren dann verschwunden, meinte zumindest Matti und auch eine Zahnspange hat sich laut klappernd, durch langes Stöbern wieder gefunden. Chaotisch, aber alles gut, ist auszuhalten, auch das Schneetreiben beim Aufstehen.

Mehr Nerven brauchte man dann beim Wettkampf gegen die GS Naunhof. Steffen und ich hatten uns extra nicht rasiert, wegen des Aberglaubens und Sven Sorge wünschte uns „nur dieses Mal“ nicht alles Gute. Ich hatte Johann, Eugen und Anton etwas vorbereitet. Doch die Runde begann schlecht. Eugen musste sich nach wenigen Minuten Schottisch übergeben und so gab es am 2. Brett erstmal eine 10-minütige Pause. Ansonsten kamen die Vorbereitungen aufs Brett, Anton spielte stark mit Sizilianisch, nur Janosch war am 4. Brett nach knapp 20 Minuten ohne Dame und ohne jede Chance. Die Randleipziger gingen in Führung. Doch an den anderen Brettern wurde erbittert und auf Augenhöhe gekämpft. Zwei Mehrbauern und die schlechtere Leichtfigur entschieden letztlich die Partie von Johann gegen Ben Hagenbeck-Hübert. Johann forcierte im falschen Moment den Abtausch seiner verdoppelten Türme (Bauern weniger, schlechtere Leichtfigur) und gab dann auf. Eugen zeigte sich gut erholt und kam wieder in ein kompliziertes Endspiel mit gleichfarbigem Läufer. Mit seinem Lieblingsläufer (weißfeldrig) war er sehr stark (angeblich von Nelly gelernt!) und so setzte er, mit Dame und König, fast wie gestern Abend, gegen Richard Junghans Matt! Anton stand inzwischen deutlich besser gegen Ben Lindner, hatte aber nur noch sehr wenig Zeit. Ich litt mit Anton, dessen Sekunden schmolzen. Bei Antons Blättchenfall hatte sein Gegner auch nur noch 72 Sekunden auf der Uhr und eine Figur weniger, trotzdem tragisch für Anton und für das Team. Und auch der Kommentar von Sven Sorge kann nicht wirklich beruhigen: „Verdient sieht anders aus...“

Im Ersatzspielerturnier schaffte Karl-Josef für die GS Neumarkt 1 die verspätete Revanche gegen GS „Stankt Martin“ aus Hagen mit zwei geschenkten Türmen.

Doch viel zum Nachdenken kam man nicht. Die Montessori GS Eilendorf aus Nordrhein/Westfalen war unser nächster Gegner. Ich schaute zunächst zum Ersatzspielerturnier, wo ich einen ständig angreifenden und opfernden Karl-Josef sah und einen Janosch, nach 10 Minuten schon wieder ohne Dame. Das bei Karl-Josef konnte so nicht gut gehen: gute Ideen zwar, offensiv, aber ohne jeden Blick für gegnerische Drohungen und ohne Rücksicht auf sein Material. Am Ende gab es hier sogar Tränen.

Aber auch mit Blick auf den Stand beim Team konnte man sich nicht aufbauen. Wieder deutlich zu schnell, Eugen gewann ein Bauernendspiel in der Gesamtspielzeit von 8 Minuten, Glückwunsch, aber... Anton verlor wenig später, mit deutlich weniger Material durch ein einfaches Matt. In dieser Zeit befand sich Johann (nach 10 Minuten!) in einem Leichtfigurenendspiel, allerdings mit Springer weniger. Dieses komplizierte Endspiel, indem es zunächst darum ging, möglichst viele Bauern zu gewinnen, dauerte nur vier Minuten. Beide spielten grundlos wahnsinnig schnell und am Ende blieben ein Bauer und zwei Springer gegen Johanns König und die Mannschaft geriet in Rückstand. Da war also Zeit für Mattis Sternstunde Nummer 2. Trotz eines gefesselten Springers auf seiner Grundreihe, selbst kurz vor dem Schachmatt, kombinierte er sich, mit starken, überlegten Damezügen, zu einem Matt in 5!!! Wieder nicht gewonnen, aber 2:2, das versöhnliche Ende der 8. Runde.

Und auch in der 9. Runde gegen die Staatliche GS Weida-Liebsdorf aus Thüringen stand Matti zunächst im Blickpunkt. Er hatte in der Eröffnung durch berührt-geführt nach knapp 5 Minuten die Dame gewonnen und ich widmete mich beruhigt dem OPEN, wo Karl-Josef auch die Dame und Janosch kampflos gewann. Doch als ich zurück war, und so groß ist der Turniersaal nun auch nicht, waren zwei Partien zu Ende. Johann wurde nach 6 (in Worten 6 Minuten) Matt gesetzt und Matti in 8! Auch Anton und Eugen spielten mit einer Figur weniger, kämpften aber. Doch Antons Stellung war nicht zu halten, er unterlag nach einer halben Stunde. Und auch Eugen stand immer unter Druck und irgendwann hatte ich die Partie aufgegeben, nur Eugen nicht und plötzlich stand eine neue Dame von Eugen auf dem Brett, unfassbar. Eugen kämpfte mit Bauer und Dame gegen drei Bauern und Springer mit sehr wenig Zeit. Er gewann die Bauern, versuchte alles. Es war die letzte Partie der Runde und Eugen kämpfte mit seiner Dame gegen den Springer mit etwa einer Minute weniger Zeit. Was tut man da als Trainer, wenn vom Gegner noch ein Remisangebot kommt? Man rät Eugen fair anzunehmen und so notierten wir die 0,5:3,5 Niederlage. Die GS Neumarkt erhielt von allen Seiten im Nachhinein Lob für diese Fairness, aber das Ergebnis wirft uns natürlich weiter zurück.

Aber eines muss ohne Zweifel noch erwähnt werden in dieser 9. Runde: die GS Kritzmannstraße Magdeburg erhielt vier (fast) kampflose Brettpunkte gegen die Schloss-Ardeck GS Gau-Algesheim wegen Nichtantritt. An zwei Brettern wurde zwar wenige Sekunden gespielt. Aber durch die Bedeutung der Brettpunkte beeinflusst dieses Resultat sehr wesentlich die Gesamtwertung und die Magdeburger zogen an uns vorbei an Tisch 1!

So war diese 10. Runde ein wichtiger „Weichensteller“ für das Gesamtabschneiden. Es musste endlich mal wieder gewonnen werden. Der Gegner kam aus Brandenburg, die GS „An der Panke“, Panketal. Und zu Beginn war unser Team zweimal erfolgreich. Karl-Josef hatte am 4. Brett grundlos seinen Fiancettoläufer geopfert, versuchte aber, auf der g- Linie auf Matt zu spielen. Sein Gegner tat wenig bis nichts gegen das tödliche Dameschach auf der jetzt offenen g- Linie und so ging unsere Mannschaft, nach 13 Minuten, in Führung, die sich zwei Minuten später erhöhte. Johanns Angriff am Dameflügel war effektiv und er setzte mit Dame und Läufer Matt. Viel schwieriger war die Situation auf den beiden Mittelbrettern. Anton hatte eine Figur weniger, dafür aber eine Menge Ideen, was man zu seinem Gegner nicht sagen kann. Er machte nichts aus dem Vorteil, einen Spieß von Anton verteidigte er schlecht und Anton gewann die Figur zurück und hatte jetzt einen Bauern mehr. Es blieb spannend. Antons Partie entschied sich letztlich auf d6. Sein Gegner verrechnete sich beim Abtausch, verlor nacheinander Turm und die beiden Leichtfiguren und die Dame durch Abtausch. Wie durch Zauberei blieben die immer noch verdoppelten Türme von Anton, die in 5 Zügen Matt setzten. Und erneut spielte Eugen am längsten, nur dieses Mal erfolglos mit seinem König gegen einen Läufer und drei Bauern. Ich wollte nicht eingreifen, so ließ er sich das Matt noch zeigen. Doch der wichtige 3:1- Erfolg stand fest und ich ging mich danach Rasieren!

Im Ersatzspielerturnier hatte Janosch wieder gewonnen. Matti bot, mit Figur weniger, nach dem Dametausch, Remis an.

Insgesamt natürlich kein guter Tag mit 6,5 aus 16. Derzeit ist das Platz 16.

Trotzdem hatten sich alle 6 für das Tandemturnier eingetragen. Mit interessanten Namen übrigens: „Die Kleinen“ (Eugen und Johann), „Jo-Matt“ (Janosch und Matti) und die „Schmeggiekrieger“ (Karl-Josef und Anton). Unterhaltsam war es auch beim Zuschauen, in Runde vier gewannen sogar alle Teams. Und in der letzten Runde gab es mit den Kleinen gegen die Schmeggiekrieger auch noch ein Vereinsduell (1:0).

Mit einer Mannschaftsbesprechung und einem Film endete dieser ebenso anstrengende Tag.

* * *

25. April (der 1. Tag):   Wegen des frühen Frühstückstermins begann der Tag schon 6.00 Uhr. Alles fieberte auf den Start der Meisterschaft. Unser erster Gegner kam dann aus Niedersachsen, die GS Wasserkampstraße Hannover. Wir sind als Nummer 9 gesetzt. Nach einer Eröffnung, die natürlich nicht 15 Minuten, sondern eine halbe Stunde dauerte, ging es endlich los. Im Ersatzspieler OPEN dauerte es noch etwas länger, dafür waren sie schneller fertig. Janosch Berger hieß der erste Sieger der GS Neumark hier (mit Mattplan!) und bei Karl-Josef Mielewsky, der mit seinen Nachbarn bei laufender Partie schwatzte, bedurfte es eines strafenden Blickes, bevor er, mit Figur weniger, auf Touren kam, die gegnerische Dame gewann und dann mit zwei Damen Matt setzte. Die Mannschaft hingegen musste hart kämpfen, doch auch hier ging es gut los. Matti Kemper hatte auf h6 geopfert und spielte konsequent seinen Plan. Und bei dem generell zu schnellen Spiel an Tisch 9 konnte er gemütlich weitere Figuren heranführen und dann, nach 20 Minuten, Matt setzen. Doch die Situation an den anderen Brettern war nicht gut, bestens falls Remis (Eugen). Anton hatte zwischenzeitlich drei Bauern weniger, sein Gegner spielte stark mit Springer und Turm. Als die Leichtfiguren dann getauscht waren, konnte Anton die Bauern gewinnen und ins Remis (beide Könige nach Turmtausch) kommen, Glück gehabt! Während Eugen das Resultat einschrieb, erhielten wir an den Spitzenbrettern, kurz hintereinander, selbst Remisangebote. Eugen lehnte, mit 10 Minuten mehr Zeit ab. Johann, mit weniger Material auch, was vielleicht ein Fehler war. Nach starkem Mittelspiel mit starken Damezügen, tauschte Johann alles ab, es blieb ein Läufer und Bauern. Eugen hatte inzwischen, mit drei Mehrbauern nach Zeit gewonnen. Doch Johann, mit etwas mehr Zeit, musste den letzten Freibauern ziehen lassen und sein Gegner setzte Matt. Endstand: 2,5:1,5 gewonnen, aber nicht ganz zufrieden.

Einen starken Auftritt des gesamten Teams gab es dann in Runde 2. Gegen die Bremer GS „Am Baumschulenweg“ war zum Teil auch tolles Schach zu sehen. Anton und Karl-Josef opferten an den hinteren Brettern fast zeitgleich einen Turm, um auf g2 bzw. g7 Matt zu setzen. Eine auch taktisch sehr gute Weißpartie von Johann mit übersehener Mattdrohung seines Gegners baute die Führung zum 3:0 aus. Am längsten musst Eugen kämpfen, mit Läufer mehr, rund 35 Minuten, also immer noch zu schnell. Eugen rief dann seinen König zu Hilfe, der mit dem Turm auf der vorletzten Reihe uns das deutliche 4:0 brachte.

Nach dem Mittagessen gab es mit der Schlossbergschule Neuenbürg aus Baden-Württemberg eine weitere lösbare Aufgabe. Gegen den badischen Vizemeister brauchte unser Quartett nur knappe 18 Minuten! Von Janosch, der „wie die Feuerwehr“ loslegte, habe ich gar nichts gesehen, er gewann als erster. Karl-Josef, jetzt am 3. Brett, hatte einen klaren Mattplan zum 2:0. Und auch Eugen und Johann, zum Schluss mit neuen Damen zum schnellen Matt, brachten der GS Neumarkt den zweiten klaren Sieg hintereinander. Fast doppelt solange spielten in der 3. Runde die beiden Ersatzspieler Anton und Matti. Anton hatte die schwere Aufgabe am Spitzenbrett für die 2. Mannschaft gegen Colin Hildebrand (Grundschule Bergstedt I) und spielte mit einem Springer weniger, eine kleiner Vorgeschmack auf das, was das Team in der unmittelbaren Spitze erwartet. Anton unterlag nach einer halben Stunde durch Aufgabe und Matti Kemper gestaltete sein Endspiel Turm gegen Springer gegen die Europaschule Falkensee erfolgreich, also 5 aus 6, nicht schlecht.

Ohne größere Erholungspause ging es weiter, doch die Bilanz 5 aus 6 blieb und dies am Spitzentisch in Runde 4 gegen die Pfaffenwaldschule Stuttgart. Herr Kageler hoffte auf ein 2:2, doch unseren Jungs war das egal. Und obwohl die Mannschaftsaufstellung unserer Gegner aussah wie mit „Blocker“ (1. Brett 888, 2. Brett: 1074) - auch das störte das Team nicht. Und dann kam auch noch Glück dazu. Zunächst war der Auftakt an allen Brettern sehr gut. Dann informierte mich Karl-Josef über seinen Sieg im OPEN. Und dann kamen, kurz hintereinander auch die Punkte auch im Team. Zunächst war Johann erfolgreich, ideenreich und mit dem Glück des Tüchtigen, weil sein Gegner ein Abzugsschach mit Figurengewinn übersah. Dann marschierte Johanns h- Bauer zur Dame und der Gegner gab auf. Eugen hatte im Mittelspiel wieder eine Figur gewonnen. Was er aber daraus machte, um jeden Bauern kämpfte und zum Matt kam war toll. Anton war in ein Schwerfigurenendspiel geraten, hatte eine Mattidee auf der gegnerischen Grundreihe, stellte aber einen Turm ein. Doch zu dieser Zeit kam der große Auftritt des Matti Kemper, der mit großer Aufmerksamkeit spielte und im Endspiel ein sehr schönes Matt mit Läufer und Turm fand – 3:0, Wahnsinn. Anton gab wenig später auf, unsere Gegner haben nicht mal unterschrieben und Eugen gab seelenruhig das vierte „Siegprotokoll“ ab. Im Ersatzspielerturnier kam auch Janosch zum erneuten Erfolg und bleibt weiter unbesiegt. Doch auch er hatte in Runde 4 etwas Glück gegen eine junge Dame, die zwar mit einem Turm und einem Bauern mehr spielte, aber die einfache Mattdrohung auf g2 übersah (mit Dame+Turm) und lieber f7 schlagen musste. Janosch sagte danke und gewann Partie Nummer 4!

Die 5. Runde: Gegner die Staatliche GS „Otto Dix“, Gera, wieder an Tisch 1 und wieder als Spitzenreiter des gesamten Turniers. Ich hatte Karl-Josef an Brett 4 gesetzt und zum erstenmal hier fehl gegriffen. Was Karl-Josef in knapp 7 Minuten am Spitzentisch bot war nicht gut. Angriff einfach drauf los, ohne alles zu durchdenken. Sein Gegner verteidigte gut, Figuren weniger und sogar noch Matt in 2 mit Läufer und Dame. Zu dieser Zeit hatte auch Johann zwei Figuren weniger, es sah also mal nicht so gut aus. Doch was dann Anton, Eugen und Johann kämpferisch gegen den Thüringer Vizelandessieger boten, war erste Sahne. Eugen hatte schon früh einen Springer von Johannes Meusel gefangen, kam aber, im turbulenten Endspiel noch einmal in Bedrängnis, als er einen Turm gegen einen gefährlichen Freibauern geben musste. Das Endspiel Läufer + 2 Randbauern gegen Turm war nicht ohne, doch Eugen spielte das stark bis zur neuen Dame und zum Matt. Inzwischen hatte Johann einen Turm gewonnen und 8 Minuten mehr Zeit und Anton hatte aus einem remisähnlichen Mittelspiel ein gewonnenes Endspiel gegen Wilhelmine Engelhardt mit Turm und Läufer und später mit neuer Dame gemacht und schaffte den Ausgleich. Große Spannung weiterhin, auch nach 45 Minuten war noch nichts entschieden. Doch dann konnte Eugen endlich den ersten a- Bauern verwandeln, der Turm verschwand. Am Ende gewann Eugen dieses nicht leichte Endspiel und das Team führte 2:1. Nerven waren gefragt am 1. Brett bei Johann, der mit seinem Springer eigentlich alles im Griff hatte. Doch 47 Sekunden vor dem Blättchenfall des Gegners stellte Johann den Springer ein und 34 Sekunden später wurde er leider Matt gesetzt. Trotzdem Lob an alle drei für diesen großen Kampf.

Und auch die beiden Ersatzspieler siegen weiter, hier haben wir jetzt je 4 Punkte.

Doch alle meine Befürchtungen hinsichtlich einer schachlich schwachen 6. Runde, die ja fast eine Abendrunde war, wurden wahr. Wir trafen auf die GS „Stankt Martin“ aus Hagen/ Niedersachsen, zum dritten Mal an Tisch 1 und erneut als Spitzenreiter. Doch an vielen Brettern war ein deutliches Nachlassen der Konzentration zu erleben. Anton gewann nach vier Minuten zwar das 3. Brett, doch nur wenig später geriet der Blitzschach spielende Eugen in einen tödliche Mattfalle mit Läufer und Dame. Johann hatte erneut ein kompliziertes Bauernendspiel mit gleichfarbigen Läufern. Am Ende hatte er zwei Bauern weniger und unterlag schnell, nach Abtausch der Läufer. Matti Kemper spielte dieses Mal am längsten, war aber nicht zur Rochade gekommen und hatte einen Turm weniger. Einziges Problem: ungültige Züge seines Gegners. Ich zählte 4, Matti reklamierte zwei und erhielt beim zweitenmal eine 2 Minuten Zeitgutschrift. Dann bot Matti Remis an, tauschte aber gleichzeitig den letzten Turm ab, sein Gegner lehnte ab und Matti gab wenig später auf. 1:3, die erste, wohl auch verdiente Niederlage gegen den neuen Spitzenreiter und etwas Ernüchterung. Im OPEN gewann Kal-Josef seine Partie gegen die GS Stadtilm und ist mit der GS Neumarkt I derzeit Neunter. Janosch verlor (zum ersten Mal hier) und rutschte auf Rag 19. Unser Mannschaft belegt nach dem 1. Tag Platz 4.

Übrigens: im ersten Landesduell von Sachsen-Anhalt gab es ein gerechtes 2:2 zwischen Hettstedt und Magdeburg und auch morgen wartet ein starker Gegner: die GS Naunhof, die in der 6. Runde glatt mit 4:0 gewann.

Nach dem Abendessen ging es ins Bad, zur Erholung.

 
 
24. April (der Ankunftstag):   Ruhig und gemütlich, durch drei Bundesländer, bei Wind, Regen und Schnee, ist die GS Neumarkt hier in Thüringen angekommen. Mit Karl-Josef waren wir dann auch komplett, bezogen unsere Zimmer in der 4. Etage (ganz hinten), Fototermin, Abendessen. Es folgte eine 30- minutige Mannschaftsbesprechung mit vielen Hinweisen. Fragen der Kinder gab es vor allem hinsichtlich der Brettreihenfolge. Na ja, das war, wie im vorigen Jahr wieder so eine Sachse, dieses Mal gleich bei der Anmeldung. Karl-Josefs hohe DWZ war das Problem und ich musste ihn vor Matti setzten, aber Anton durfte an Brett 3 bleiben. Wird schon so gehen. Zum Schluss folgte die geheime Wahl des Kapitäns. Die Mannschaft entschied sich mit 4:2 für Eugen. Johann bleibt Brett 1 und Eugen hat nun das „Sagen“, zum Beispiel bei Remisentscheidungen und der Mannschaftsaufstellung. Nachtruhe wurde auf 21.00 Uhr festgelegt. Ganz eingehalten wurde sie nicht, aber es ging so. Bei der Betreuerbesprechung wurden eine Menge Probleme diskutiert, wichtige und unwichtige. Auf die Frage eines Betreuers, warum die Rundenzahl erhöht worden sei, hieß es kurz und knapp, dass durch die Erhöhung der Teilnehmerzahl durch die Deutsche Schachjugend auch die Rundenzahl steigen und damit die Bedenkzeit verkürzt werden musste. Ein schlechter Deal, denke ich.

Hier sollen 70 Mannschaften dabei sein, doch zwei sollen noch nicht da sein. Also keine Auslosung. Bis morgen.

 

 

 
Bildimpressionen:
 
Mannschaftsfoto: Turnierseite
V.l: ML Schneidewind, Matti, Anton, Johann
hinten: Josef, Janosch, Eugen
 
x
Am Brett GS Neumarkt  Johann, Eugen, Josef ...
 
Eugen
 
x
Karl-Josef, Anton
 
Matti
 
Janosch im Open
Warten auf die Siegerehrung

Die SIEBENBESTE